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Schweizer Freunde der Zinnfigur

Von der Spielzeugfigur zur kulturhistorischen Zinnfigur

    Die im 19. Jahrhundert bedeutende Zinnfigurenspielzeugproduktion im deutschsprachigen Raum erlebte ab 1905 und vor allem während und nach dem Ersten Weltkrieg einen deutlichen Rückgang. Neue Gesetze, die Heim- sowie Kinderarbeit der Zinnfigurenmalerinnen einschränkten, erhöhten die Produktionskosten. Gravierenden Metallknappheit im Laufe des Krieges und danach die Ächtung dieses «Kriegsspielzeuges» taten ein Übriges. Zu Beginn der 20er Jahre traten vermehrt «erwachsene» Sammler als Kunden der noch existierenden Offizinen in Erscheinung, verlangten aber an Stelle der zierlichen Spielfiguren «historisch korrekt» gestaltete Typen. Durch ihren Einfluss wurden nach und nach die als billiges Kinderspielzeug produzierten Figuren durch die sogenannten «Kulturhistorische Zinnfigur» ergänzt.

Initiative Sammler aus Deutschland und Frankreich (Biebel, Gottstein, Petrocochino) liessen erste Figurenentwürfe, die von hervorragenden Zeichnern (Bombled, Wilke, Rousselot) gestaltet wurden, von guten Graveuren in Schiefer stechen. Bereits 1910-12 gab die Offizin Heinrichsen in Nürnberg, einzelne kleine Serien «im Auftrage» der Sammler heraus (Franz. Gardeartillerie Napoléon I.). Alle diese Figuren wurden von Ludwig Frank graviert.

Ab 1923 verlies Frank die Firma Heinrichsen und gravierte selbständig für Hahnemann (Kiel), Biebel (Berlin), Gottstein (Leibzig) und Petrocochino (Paris). Hahnemann gründete 1924 die «Fabrik für kulturhistorische Zinnfiguren» in Kiel. Auch hier wurden von Sammlern initiierte Serien ins Programm aufgenommen, oftmals auch unter finanzieller Beteiligung. Gleichzeitig schlossen sich die Deutschen Sammler im Klio-Bund zusammen.

Bei der grossen Zinnfigurenausstellung 1932 in Leipzig wurden viele dieser neuen Figuren einem breiten Publikum präsentiert. Das Interesse und die Besucherzahlen waren überragend gross. Aufsehen erregte vor allem auch die hervorragend bemalten Figuren von Gottstein. Für ihn malten Meister wie O. Kemnow, Berlin sowie V. Douschkine und M. Hamel, Paris. Viele dieser Figuren können heute im «Musée militaire vaudois» in Morges besichtigt werden.